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„… in dieser gemeinsamen Aufgabe gibt es keine Trennung zwischen uns!“

In seiner Predigt bei der Ökumenische Vesper im Dom zu Regensburg am 12. September 2006 ruft Benedikt XVI. Christen aller Konfessionen zu einem geeinten Zeugnis in einer Welt voller Verwirrung auf.

 

von Professor Dr. Christoph Binninger

Mächtig erheben sich an diesem Sommerabend die Domtürme gen Himmel, so, als wollten sie wie zwei große Finger auf Gott im Himmel zeigen, der unsere Hoffnung ist.

Der Dom: Steinernes Credo, Sinnbild der geeinten Christenheit

Der Dom – fast 1000 Jahre alt – gebaut als steinernes Credo in einer Zeit, in der das Abendland im katholischen Glauben geeint war. Jahrhunderte haben hier Generationen von Menschen gemeinsam gebetet, ihre Sorgen und Nöte, aber auch ihren Dank vor Gott getragen.

Der Regensburger Dom, im Vordergrund sieht man in ganz klein den Papst Benedikt XVI beim Einzug

Der Dom: Sinnbild der geeinten Kirche. In dieser Abendstunde ruft Papst Benedikt XVI. die getrennte Christenheit zum gemeinsamen Gebet in den Dom.

Und alle kommen! Vereint im Dom, stehen sie vor dem Altar, dem Symbol für Christus: Brüder und Schwestern im Herrn.

Ein Auftrag, dem sich Christen nicht entziehen dürfen

„Alle sollen eins sein: Wie Du, Vater, in mir bist und ich in dir bin sollen auch sie in uns sein, damit die Welt glaubt, dass Du mich gesandt hast.“ (Joh 17,21)

Es ist also Christus selbst, der eindringlich zur Ökumene, zur Einheit der Christenheit aufruft! Ein Auftrag, dem sich die Christen nicht entziehen dürfen!

Durch die Taufe auf den dreieinen Gott sind wir – wie Papst Benedikt XVI. hervorhebt – schon in die Lebensgemeinschaft des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes hineingenommen und diese „Gottesgemeinschaft schafft dann auch die Koinonia [Gemeinschaft] untereinander“: Durch die Taufe sind wir gemeinsam Kinder Gottes und damit untereinander Brüder und Schwestern im Herrn.

Die Gemeinschaft im Glauben verleiblicht sich in der Eucharistie

Papst Benedikt XVI. hebt hervor, dass wahre Ökumene auf dieser Grundlage bestrebt sein muss, dass sich auch „die Gemeinschaft in dem von den Aposteln überlieferten Glauben vertieft und zu jener vollen Einheit ruft, an der die Welt erkennen kann, dass Jesus Christus wahrhaft der Gesandte Gottes, Gottes Sohn ist, der Heiland der Welt.“

Es ist dann eine Gemeinschaft mit Gott „als Teilhabe am Glauben der Apostel und so als Gemeinschaft im Glauben, die sich in der Eucharistie verleiblicht und über alle Grenzen hin die eine Kirche baut.“

Ökumenische Impulse eines deutschen Papstes im Ursprungsland der Reformation. Links im Bild der damalige evangelische Landesbischof Johannes Friedrich.

Wer Gott ist, wissen wir durch Jesus Christus.

Papst Benedikt XVI. verweist unter Berufung auf den 1. Johannesbrief auf die bereits vorhandene Einheit im Bekenntnis zu Christus. Es ist der Glaube daran, „dass Jesus der im Fleisch gekommene Sohn Gottes ist… Wer Gott ist, wissen wir durch Jesus Christus: den einzigen, der Gott ist. In die Berührung mit Gott kommen wir durch ihn“.

Warnend hebt er im Lichte der Herausforderungen durch den religiösen Relativismus und Pluralismus hervor, dass wir Christen deshalb „unser Gottesbild ganz und nicht fragmentiert zur Sprache bringen“ müssen.

Papst Benedikt XVI. fordert alle Christen dazu auf, Christus mit ihrem Leben zu bezeugen, so wie es in 1 Joh 4,14  heißt: „Wir haben gesehen und bezeugen, dass der Vater den Sohn gesandt hat als den Retter der Welt.“

Papst Benedikt XVI. spricht am Dienstag (12.09.2006) in Regensburg im Dom St. Peter zu Regensburg nach einer ökumenischen Vesper mit Sängern der Regensburger Domspatzen, die während des Gottesdienstes gesungen haben.

In einer Welt voller Verwirrung müssen wir wieder Zeugnis geben von den Maßstäben, die Leben zu Leben machen. Dieser großen gemeinsamen Aufgabe aller Glaubenden müssen wir uns mit Entschiedenheit stellen.

Dieses Zeugnis für Christus bedeutet für den Papst: „Zeuge für eine Weise des Lebens sein. In einer Welt voller Verwirrung müssen wir wieder Zeugnis geben von den Maßstäben, die Leben zu Leben machen. Dieser großen gemeinsamen Aufgabe aller Glaubenden müssen wir uns mit Entschiedenheit stellen: Es ist die Verantwortung der Christen in dieser Stunde, jene Maßstäbe rechten Lebens sichtbar zu machen, die uns in Christus aufgegangen sind, der alle Worte der Schrift in seinem Weg vereinigt hat: ,Auf ihn sollt ihr hören!’ (Mk 9,7).“ In dieser „gemeinsamen Aufgabe“, Christus zu bezeugen, „gibt es keine Trennung zwischen uns“.

Den Gott, der die Liebe ist, kann man nur durch Liebe erfahrbar machen.

Dieses Zeugnis für Christus muss aber in der Liebe geschehen, denn es gilt, den Herrn, der die Liebe ist, durch unsere Liebe sichtbar und erfahrbar zu machen. Es ist jener Herr, der uns selbst zuerst in Liebe angesprochen hat und dem wir als dem Gott der Liebe geglaubt haben (vgl. 1 Joh 4,16). Darum beendet Papst Benedikt XVI. seine Predigt mit der eindringlichen Aufforderung an die ganzen Christenheit: „Bezeugen wir unseren Glauben, so, dass er als Kraft der Liebe erscheint, „damit die Welt glaube“ (Joh 17,21). Amen.“

Der Autor, Professor Dr. Christoph Binninger, ist Direktor des Bischöflichen Studium Rudolphinum (Spätberufene), Regensburg, und außerordentlicher Professor für Dogmatik in Heiligenkreuz.