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Katholisch siegen geht anders!

Der Antimarxist Ratzinger auf dem Platz der Revolution: In Kuba zeigte Benedikt XVI. eindrucksvoll, was es heißt, die Wahrheit zu erkennen, die frei macht. Der Papst machte deutlich: Christen haben keine Feinde. Ihr einziger Feind ist die Ideologie, die aufhört, nach der Wahrheit zu suchen.

 

von Professor P. Dr. Karl Wallner OCist

Portrait Pater Karl Wallner

Das Marxismus stand und steht im Widerspruch zum christlichen Glauben, was sich in den staatskommunistischen Systemen durch brutale Unterdrückung der Kirche manifestiert hat. Ab 1989 wurde diese Ideologie unter maßgeblichem Mitwirken des heiligen Johannes Paul II. zusehends auf den Müllhalden der Geschichte entsorgt. Ein Sieg für Freiheit, ein Sieg für Gerechtigkeit, ein Sieg auch für das Christentum.

„Show-Down“ zwischen Kirche und marxistischem Regime

Nur wenige Regime hielten stur daran fest, auch wenn klar war, dass sie zu den Losern der Weltgeschichte gehören. Eines dieser Länder ist das mehrheitlich christlich geprägt Kuba.

Joseph Ratzinger war immer „antimarxistisch“, ihm verdanken wir aus den 1980er Jahren als Präfekten der Glaubenskongregation eine Stellungnahme der Kirche zur „Befreiungstheologie“ [1], die die innerweltliche Fixierung einiger Formen lateinamerikanischer Theologie korrigierte.

Darum war für mich der Besuch von Papst Benedikt XVI. im Land von Che Guevara und Fidel Castro besonders interessant, denn es war klar, dass hier ein Sieger zu Besiegten kommt. Ich erwartete eine Siegesfeier, eine Art „Show-Down“ zwischen Kirche und marxistischem Regime.

Nicht das Christentum hat dem Volk ,Opium’ verabreicht, es waren die Revolutionsführer Che Guevara, Fidel Castro und seine Nachfolger.

Papst Benedikt XVI spricht ins Mikrofon bei seiner Predigt in Havanna, er trägt lila

Spätestens seit dem triumphalen Besuch von Johannes Paul II. 1998 war klar, dass der Marxismus Kuba nicht Gleichheit, Gerechtigkeit und Wohlstand gebracht hat, sondern Unfreiheit und Armut. Nicht das Christentum hat dem Volk „Opium“ verabreicht, sondern es waren die Revolutionsführer Che Guevara, Fidel Castro und seine Nachfolger.

Ja, Papa Ratzinger kam als „Sieger“, aber „Siegen“ bedeutet für Christen ganz etwas anderes als im militärischen, politischen oder ideologischen Bereich. Und das ist das Schönste, das man von dem Kuba-Besuch des deutschen Papstes lernen kann.

Zwei Päpste, zwei Teams, ein Eklat

Siegen kann nämlich sehr schnell zu „hässlich“ werden. Mir ist das bewusst geworden anlässlich eines riesigen Eklats. Auf der Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien hatte Deutschland Argentinien mit 1.0 besiegt. Dass sich ausgerechnet Deutschland und Argentinien im Finale gegenüberstanden, war auch deshalb „interessant“, weil es damals ja erst seit kurzem die Neuheit von „zwei Päpsten“ gab. Und der regierende Papst stammte ausgerechnet aus Argentinien, der emeritierte aus Deutschland…

Der Eklat ereignete sich so: Zwei Tage nach dem Sieg kam es am symbolträchtigen Brandenburger Tor zu einer triumphalen Siegesfeier mit zehntausenden Fans. Dabei führten sechs Nationalspieler einen Tanz auf, wo sie gebückt und gekrümmt herumhüpften und dazu sangen „So gehen die Gauchos“.

Der Triumph gerät zum Fiasko

Die Öffentlichkeit – auch in Deutschland – war empört. Der Gauchotanz wurde als geschmacklose, ja rassistische Verhöhnung der Argentinier und verwandelte den deutschen Triumph in ein Imagefiasko. Die ganze Welt fand sich leider in ihrem Vorurteil bestätigt, dass man „die Deutschen“ zwar bewundern, niemals aber lieben könne. Und die „Moral von der Geschicht“: Sieger dürfen niemals über Besiegte spotten.

Vor diesem Hintergrund leuchtet die „Siegesfeier“ von Benedikt XVI. auf dem Revolutionsplatz in Havanna am 28. März 2012 [2] wie ein helles Licht und zeigt, was „siegen“ christlich bedeutet: Eine „Siegesfeier“ kann man diese Messe mit 300.000 jubelnden Gläubigen, unter ihnen Präsident Raoul Castro, wirklich nennen, sowohl „theologisch“ als auch „politisch“. Wir Christen dürfen uns ja in geistlichem Sinn immer als Gewinner wissen: Wir glauben an den größten Sieg der Menschheitsgeschichte: an den Sieg der Liebe Gottes über die Sünde, an den Sieg des Guten über das Böse, des Lebens über den Tod.

Menschenmasse am Platz der Revolution in Havanna in Kuba

Substanz statt Spott

Jede Liturgie und jeder Gottesdienst eröffnet diesen Raum des siegreichen Erlöstseins. Und eine solche war die Messe mit dem „antimarxistischen“ Ratzinger-Papst. Und dann die Papstpredigt, die durchaus politisch war. Doch was Raoul Castro da zu hören bekam, war kein Bashing, kein Spott, kein Triumph, sondern der Versuch, die Substanz des christlichen Glaubens auszudeuten: Es geht uns niemals um das „Besiegen von Feinden“ , sondern um das „Siegen für eben diese Feinde“.

Wahrheitssuche auf der „Plaza de Revolución“

Die Predigt auf der „Plaza de Revolución“ ist ein typischer Ratzinger-Text: Offene Reflexion, Denken und Streben nach dem Letzten, nach Besserem, nach dem Wahren usw. ist gut, denn Wahrheitssuchen ist ein Geschenk Gottes an alle. Diese Etappe des Weges gehen wir Christen mit allen gemeinsam. Aber mehr noch: Wir haben Angebote, wir haben Lösungen, und wir haben auch Korrekturen für die Ideologien, die sich aus der Suche nach Wahrheit ergeben.

Nein, Benedikt XVI. schmiert den sturen politischen Ideologen, die da ja faktisch als Gescheiterte in einem Staat, den sie zu einem Armenhaus gemacht haben, keinen Honig ums Maul. Er fordert mit klaren und klugen Formulierungen Freiheit und Religionsfreiheit! Und nach der Messe besucht Benedikt XVI. den altersschwachen Fidel Castro, der ihn ausdrücklich darum gebeten hatte.

Papst Benedikt am Platz der Revolution in Havanna. Er hält ein goldenes Kreuz in der Hand und trägt lila.

Benedikt XVI. weiß, dass die Wahrheit, die Gott schenkt, frei macht, dass sie siegreich ist gegenüber Ideologien und geistigen Fixierungen. Sie respektiert jedes Denken, das offen nach der Wahrheit sucht und begegnet den Suchenden mit Demut.

Papst Benedikt XVI. weiß, dass die Wahrheit, die Gott schenkt, frei macht, dass sie siegreich ist gegenüber Ideologien und geistigen Fixierungen. Sie respektiert jedes Denken, das offen nach der Wahrheit sucht und begegnet den Suchenden mit Demut, auch wenn sie sich aggressiv und feindlich gegenüber dem Christentum und der Kirche verhalten. [3] Es waren nicht bloß verbale Komplimente oder berechnende Freundlichkeitsrhetorik, hinter der sich eigentlich eine tiefe Verachtung gegenüber den „besiegten“ Marxisten versteckt.

Es war diese große katholische Demut, die der Papst auf dem Platz der Revolution ausgesprochen hat. Je mehr man Sieger ist, desto weniger darf man über die Besiegten spotten, das lehrt schon im weltlichen Bereich das „Eigentor“, das sich die deutsche Mannschaft mit dem – sicher nicht so gemeinten – Spott über die besiegten Argentinier geschossen hat. Für das Ansehen Deutschlands war der Imageschaden durch den Gauchotanz weit größer als der Imagegewinn durch das Siegestor von Mario Götze.

Die ,Feinde’, die Jesus töten, sind genau diejenigen, für die er stirbt. Die ,Feinde’, die Jesus hassen, sind genau die, die er liebt. Und die ,Feinde’, die ihn beschuldigen, sind genau die, deren Schuld er wegträgt.

Das christliche „Victory“ kennt keine Spottänze! Weil es für Christen eigentlich gar keine „Feinde“ kennt, die es zu besiegen gilt. Von der Wurzel des Glaubens her, kann man es so ausdrücken: Die „Feinde“, die Jesus töten, sind genau diejenigen, für die er stirbt. Die „Feinde“, die Jesus hassen, sind genau die, die er liebt. Und die „Feinde“, die ihn beschuldigen, sind genau die, deren Schuld er wegträgt. Das heißt: Der einzige „Feind“, den es gibt, ist Ideologie: die Ideologie, die aufhört, nach der Wahrheit zu suchen. Solange der Mensch aber offenbleibt und nach der Wahrheit sucht, solange ist er auf dem Weg der „Ratio“.

Auf diesem Weg sind wir Christen nicht seine Feinde, sondern seine Begleiter, denn dieser Weg ist von Gott, dem Schöpfer, allen Menschen eröffnet. Benedikts politische Predigt in Havanna leuchtet durch die Demut eines Siegers, dem es nicht um „seinen“ Sieg, nicht um „sein“ Rechthaben gegenüber einem unterlegenem Feind geht. Und für mich leuchtet diese substantiell christliche Demut umso heller, da sie von einem aus Deutschland stammenden Papst ausgesprochen und gelebt wird.

Portrait Pater Karl Wallner

Der Autor, Professor P. Dr. Karl Wallner OCist, war Rektor der Philosophisch-Theologischen Hochschule Benedikt XVI. Heiligenkreuz in Niederösterreich. Wallner lehrt an der dortigen Hochschule Dogmatik und Sakramententheologie. Seit 2016 ist er Nationaldirektor der Päpstlichen Missionswerke missio in Österreich.

[4] Controversy VII, 3 b–c:  Khoury, pp. 144-145;  Förstel vol. I, VII. Dialog 1.6, pp. 240-243.

[4] Controversy VII, 3 b–c:  Khoury, pp. 144-145;  Förstel vol. I, VII. Dialog 1.6, pp. 240-243.

[4] Controversy VII, 3 b–c:  Khoury, pp. 144-145;  Förstel vol. I, VII. Dialog 1.6, pp. 240-243.